Weiterführende Informationen

Was sind Waldkindergärten?
Ein pädagogisches Profil
 

*Anmerkung: Der folgende Text ist nicht als Konzept unseres Waldkindergartens zu verstehen. Die zusammengetragenen Informationen sind aus dem breiten Spektrum der zahlreichen deutschen Waldkindergärten gewonnen. So entsteht ein anschauliches Bild der Waldpädagogik. Die Konzeption unseres Waldkindergartens ist noch in Arbeit.

15-20 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren und 2 Erzieher/innen verbringen den Vormittag im Wald -bei Wind und Wetter-, im Sommer etwa vier, im Winter etwa drei Stunden. Nur bei extremen Witterungsverhältnissen (große Kälte, Sturm, Gewitter) ziehen sie sich in ihre Schutzhütte zurück. Damit ist der äußere Rahmen beschrieben und zugleich das zentrale pädagogische Element genannt: Der Wald. Hier wird gespielt, gebastelt, geturnt wie in jedem anderen Kindergarten auch – und doch ist alles ganz anders. 
 

Der Wald ist der "Gruppenraum" des Waldkindergartens, in dem der Vormittag ebenso wie in jeder anderen Einrichtung strukturiert wird: Morgenkreis, Freispiel, Frühstück, Aktion, Verabschiedung.

Das Freispiel ist i.d.R. als "Spaziergang" organisiert. Vom (immer gleichen) Ausgangspunkt ausgehend legen die Kinder einen z.T. variierenden Weg von 1-3 km Länge zurück. Unterwegs ist Zeit zum Erkunden, zum Beobachten, zum Fragen. Eine Blume hier, ein Vogel dort, die Fichtennadeln am Wegrand, Federn, abgenagte Zapfen – alles ist spannend, lädt ein zum Schauen, Spielen, Fragen. Der Wald macht die Kinder neugierig und wißbegierig – zwei wichtige Voraussetzungen für die Schule, auf die der Waldkindergarten vorbereitet wie jede andere Einrichtung des Elementarbereichs.

Das Frühstück ist stets ein kleines Abenteuer. Bei Regen gilt es, den Proviant vor dem Aufweichen zu schützen, im Sommer vor ungebetenen Tischgenossen. So sind Regenplane und Mückennetz immer im "Waldwagen" – einer Kofferkarre o.ä. - mit dabei. Nun ist Zeit, von Erlebnissen zu berichten, Pläne zu schmieden, ... .
Auch die folgende Aktion ist dem "Raum" Wald angepaßt. Mal lesen die Erzieher/innen aus einem Buch vor, mal gibt es eine Vorführung auf der "Waldbühne". Nun kann aber auch gebastelt und gemalt werden: Aus Aststücken und Perlen werden Schlangen, aus Stöcken und Farben Krokodile. Es wird gebohrt, geschabt, gegraben. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie der Ort, an dem sie realisiert werden.
Zufriedene und müde Kinder machen sich nach einem so gestalteten Vormittag auf den Heimweg – und freuen sich schon auf den nächsten Waldkindergartentag.
 

Der Wald setzt (natürliche) Grenzen und bietet viele Freiheiten. Etwa die Freiheit, mit den anderen zu kooperieren, sich zurückzuziehen, oder einem/einer anderen auch einmal aus dem Weg zu gehen. So wirkt der Wald positiv auf das Sozial- und Konfliktverhalten der Kinder.
Grenzen erfahren die Kinder immer wieder am eigenen Körper: Wenn es doch noch nicht gelingt, den ganzen Baumstamm entlangzubalancieren, wenn Steine zu schwer, Stöcke zu lang sind. Wie groß ist umgekehrt die Freude über die eigene Leistung, wenn es schließlich doch gelingt. So eignen sich die Kinder im Lauf der Zeit eine realistische und postive Selbsteinschätzung an.
Bei alledem sind sich die Kinder auch darüber bewußt, daß das Spielen im Wald die Einhaltung gewisser Regeln voraussetzt: Im Wald wird nichts gepflückt, schon gar nicht gegessen; es gibt räumliche Grenzen, die nicht überschritten werden... . Es sind nicht sehr viele Regeln, doch deren Einhaltung ist unabdingbar.
 

Der Wald ist Erfahrungsraum. Im Waldkindergarten haben die Kinder die Möglichkeit, Dinge, die sonst oftmals nur aus dem Bilderbuch bekannt sind, in die Hand zu nehmen, sie zu be-greifen und ihre Substanz mit allen Sinnen zu erfassen. Sie machen Primärerfahrungen, und diese sind ausgesprochen wichtig für die Entwicklung der Kinder.
 

Es gibt kein "Spielzeug". Gespielt wird mit dem vorhandenen Material: Stöcke, Zapfen, Blätter, Nadeln, Federn, Wurzeln u.v.m. stehen den Kindern in großer Menge zur Verfügung und bieten eine Vielzahl an Spielmöglichkeiten. Hier ist die Kreativität der Kinder gefragt: Aus Steinen werden Autos, dann Kühe, schließlich Häuser. Das Spiel entwickelt sich aus den Kindern heraus und wird nicht durch das Material vorgegeben.

So gestalten die Kinder ihren Vormittag ohne Abhängigkeit von den diversen Spielmaterialien, was aus Sicht der Pädagogik eine frühe Suchtprävention darstellt -ein Aspekt, den sich mittlerweile auch viele Hauskindergärten zunutze zu machen versuchen, indem sie Spielzeug aus ihren Räumen zeitweise gänzlich verbannen. 

Nicht das isolierte Spiel führt zum Ziel, im Wald ist oftmals die Mithilfe der anderen Kinder erforderlich. Ein Baumstamm soll etwa auf einen anderen gelegt werden - eine Wippe entsteht. Dazu ist die Mithilfe aller notwendig, soziale Interaktion ist ein wichtiges Moment des Waldkinderalltags. Wenig verwunderlich ist von daher, daß die sprachliche Entwicklung der Kinder im Wald sehr positiv verläuft.
 

Umwelterziehung wird hautnah erlebt. Im täglichen Umgang mit Wald und Natur erleben die Kinder den Wechsel der Jahreszeiten, lernen einfache Abfolgen und Phänomene der Natur kennen. Und nur was sie kennen können sie auch schützen. Nicht umsonst ist die Waldkindergartenidee an vielen Orten auch aus den Gedanken des Naturschutzes geboren. 

 copyright: Text S. Hofinger 2000, Bilder O. Wild